Sonntag, 9. Oktober 2011

Zur neuen Spielzeit am Stadttheater Konstanz 2011/2012

„In Europa gibt es nicht nur Idioten“

Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Schriftsteller Henning Mankell sprachen über die Demokratisierung in Afrika


Schon seit Wochen kündigen Banner am Stadttheater Konstanz das Motto der nächsten Spielzeit an: Afrika. Zum Start der Saison 2011/2012 trafen Persönlichkeiten wie Schriftsteller Henning Mankell und Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier aufeinander. Der SPD-Fraktionsvorsitzende ist ein ehemaliger Studienkollege des Intendanten Christoph Nix. Ferner verstehen sich Autor Henning Mankell und der Politiker ganz ausgezeichnet, wie im Gespräch unter der Moderation von Professor Wolfgang Seibel von der Universität Konstanz im Stadttheater deutlich wurde.
Der Andrang war groß, alle Plätze bei so viel Prominenz besetzt und viele Interessierte standen neben den Rängen. „Kultur!Macht!Außenpolitik!“ hieß der Leitfaden, unter dem die drei diskutierten und auch stritten. Steinmeier gab sich weltmännisch und ließ fast vergessen, dass er kein Außenminister mehr ist. Mankell zeigte sich als Kenner des Schwarzen Kontinents. Berühmt wurde der schwedische Autor und Theaterregisseur mit seinen Kriminalromanen und der Hauptfigur des Kriminalkommissars Kurt Wallander. Verheiratet ist er mit der zweiten Tochter von Ingmar Bergman, Eva Bergman. Sein geerbtes Hofgut in Schweden vermachte er 2009 dem schwedischen Dramatikerverband. Denn seine Wahlheimat ist Afrika.
In Maputo (Mosambik) baute er eine Theatergruppe auf und übernahm die Leitung des Theaters „Teatro Avenida“ in Maputo. Seine Erfahrungen verarbeitete er unter anderem in dem Buch „Die rote Antilope“, das Stück daraus wurde zum Auftakt der neuen Theatersaison in Konstanz auf die Bühne gebracht. Mankell kennt Mosambik und lässt sich auch schwer hineinreden. Es entsprang beinahe ein Zwist zwischen Professor Wolfgang Seibel und dem Autoren über die Stellung von Robert Mugabe. „In den Massenmedien redet jeder schlecht über Mugabe. Er sei von Geburt an schlecht gewesen. Das stimmt nicht. Mugabe ist eine Katastrophe, war es aber nicht immer.“ Der Schriftsteller interessiert sich eher für die Frage, wie so ein Despot überhaupt an die Macht kommen konnte. Seibel befragte Frank-Walter Steinmeier anschließend zum „intelligenten Umgang“ mit Despoten. Dieser fand die Frage als „naseweis“ und antwortete: „In Europa gibt es nicht nur Idioten. Wir Deutschen haben unter dem Ost-West-Konflikt gelitten. Eine neue Ost-Politik wurde versucht – mit den Despoten. Auch Tunesien hatte autoritäre Strukturen. Man kann sich nicht imemr aussuchen, mit wem man zu tun hat.“ Da war er wieder in der früheren Rolle des Außenministers angekommen. „Mit diesen Machthabern zu reden, heißt nicht, deren Politik anzuerkennen“, fügte er hinzu.
Steinmeier sprach sich dafür aus, diejenigen anzuerkennen, die für ihre Freiheit auf die Straße gehen und demonstrieren. Es müsse einen Marshall-Plan für Afrika geben, sonst gelänge die Demokratie dort nicht. Mankell wiederum wunderte sich darüber, dass manche ausgerechnet Deutschland als Hoffnungsträger für Afrika sehen. Doch, so wurde ihm von dem Historiker aus Mosambik gesagt, gab es in Deutschland immerhin die Wiedervereinigung.
Es war ein spannender Dialog zwischen zwei Größen, die sich für Demokratie in Afrika aussprachen. Frank-Walter Steinmeier betonte zudem, dass Nordafrika auch Einfluss auf Europa habe. Und damit meinte er nicht die Flüchtlingsbewegung, sondern die politische Befreiung der Menschen.
© Corinna S. Heyn

Videos dazu bei YouTube CorinnaHeynMA

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